Josua Reichert
„printing is a way of life - Plakate von Josua Reichert“
27.5. – 9.7. 2010
"Josua Reichert ist heute auf dem Gebiet der Typografie der wichtigste Künstler, den wir in Europa haben", schrieb Dieter Ronte 1999 über den neuen Träger des Jerg-Ratgeb-Preises.
Am 12. Mai 2010 erhält Josua Reichert den Jerg-Ratgeb-Preis für sein Lebenswerk. Der Preis wird traditionsgemäß am Todestag des Preisgründers und Reicherts Lehrmeister HAP Grieshaber verliehen und ist mit 20.000 Euro dotiert.
AEP Formate zeigt in der Ausstellung „printing is a way of life - Plakate von Josua Reichert“ das Plakatschaffen Reicherts und widmet sich als Ausstellung damit erstmalig diesem wichtigen Bestandteil seines Werkes.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
In den Arbeiten des Druckers, der entscheidende Impulse durch HAP Grieshaber und Hendrik Nicolaas Werkman empfing, verschmelzen Schrift und Bild, Text und Typografie zu einer neuen Einheit und führen in eine neuartige ästhetische Dimension.
Mit seinen kraftvollen, farbigen Drucken spannt Reichert, der 1968 an der documenta IV teilnahm, einen weiten Bogen über die Schriftkulturen, Weltliteraturen und Zeiten. Er druckt mit lateinischen, griechischen, kyrillischen, hebräischen und arabischen Schriften; sein Texttkanon reicht von der Antike bis in die Gegenwart. Eine Beschränkung auf Kulturkreise und lässt er nicht gelten. In Josua Reichert begegnet uns vielmehr ein Drucker, der auszog, die typografische Welt zu vermessen. Für die Auswahl der Gedichte, Fragmente und Sentenzen, die er aus den Büchern aller Zeiten herausholt und durch seine Schrift-Bilder, die dem Betrachter zugleich Lesen und Sehen abverlangen, vor Augen führt, gilt nur ein Kriterium:
Die Texte müssen sein Innerstes berühren und seine typografische Fantasie beflügeln.
Von Anbeginn an druckt Reichert Typobilder, die er als "poesia typographica" bezeichnet:
Buchstabenarchitekturen und Buchstabenlandschaften zumeist, aber auch Bilder, auf denen Buchstaben, gar Wörter gänzlich fehlen, Kompositionen aus Linien, Punkten, Kreisen, Rechtecken und Dreiecken.
Der Begriff „poesia typographica“ umfasst sowohl eine Werkgruppe als auch Reicherts gesamte Tätigkeit, zu der ferner Stempeldrucke, Collagen, Einblattdrucke, „Der Haidholzer Psalter", Handdrucke, Schrift-Bilder (die umfangreichste der Werkgruppen) sowie Mappenwerke, Codices, Bücher, Faltbögen gehören. Viele Druckformen werden mit dem Löffel als Werkzeug direkt auf den Bildträger abgerieben. Die Werkgruppe der Plakate gibt als ein Wegehandbuch der Ausstellungen biografischen Aufschluss. Das Werkverzeichnis benennt über 800 Positionen. Vor allem mit seinen zahlreichen Arbeiten für öffentliche Gebäude versucht der Künstler, Aufklärerisch-Poetisches in den Alltag einzubringen.
Werke des Druckers finden wir in Bibliotheken, Bildungsstätten, Firmen, Verwaltungsgeebäuden, Gerichten, Kliniken und in einer Schlosskapelle. So hängen zum Beispiel die "Stuttgarter Drucke", 36 großformatige Arbeiten, in der Württembergischen Landesbiblioothek.
Josua Reichert
1937
in Stuttgart geboren
1959
Studium bei HAP Grieshaber an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
1960
eigene Werkstatt in Stuttgart, dann in München
1963+1967
Beteiligung an der III. und V. Jugend-Biennale Paris
1968
Beteiligung an der documenta 4 in Kassel
1970
Gastdozent an der Gerrit-Rietveld-Akademie Amsterdam
1972
Übersiedlung nach Haidholzen, Stephanskirchen/Simssee
Mitglied im Deutschen Künstlerbund
1995+2001
Dozent für Hochdruck, Sommerakademie Neuburg/Donau
1997
Josua Reichert: Werkverzeichnis 1959–1995,
bearbeitet von Waltraud Pfäfflin und Klaus Maurice, Verlag Gerd Hatje, Ostfildern
Über 180 Einzelausstellungen im In- und Ausland, mehrere 100 Werke im öffentlichen Besitz
Stipendien
1964
Geschwister-Boehringer-Ingelheim-Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschaften
1966
Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie
1987
Karl-Rössing-Reisestipendium der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München
Preise und Auszeichnungen
1963
Deutscher Kunstpreis der Jugend für Graphik
1964
Certificate of Merit, Art Directors Club of New York
1967
Preis der 9. Biennale São Paulo
1968
Förderpreis der Stadt München
1999
Antiquaria-Preis Ludwigsburg
2000
Bundesverdienstkreuz
2003
Professorentitel, verliehen durch das Land Baden-Württemberg
2010
Jerg-Ratgeb-Preis der HAP Grieshaber Stiftung, Reutlingen
Einzelausstellungen (Auswahl)
1966
Amsterdam, Stedelijk Museum
1989
Altenburg, Staatliches Lindenau Museum
1994
Leipzig, Franz-Mehring-Haus (Carlebach Stiftung)
1995
Reutlingen, Galerie in der Stiftung
1999
München, Rathausgalerie
2000
Amsterdam, Joods Historisch Museum
Neuburg an der Donau, Rathausflez
2002
Nürnberg, Galerie Defet im Zumikon
2004
Frankfurt am Main, Goethe Museum
2005
Rosenheim, Städtische Galerie, Wiederholte Spiegelungen
2007
Fano, Saletta Nolfi
2008
Roma, Casa di Goethe
2009
Malcesine, Castello Scaligero
Bruckmühl, Galerie Markt Bruckmühl
2010
Reutlingen, Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen
Hamburg, AEP Digital Arts Academy







